Auf die Schnelle…

30. Juni 2009 by gspeppi

Glückwunsch der U21 zum EM-Titel. Nur so nebenbei, jetzt wo sich der Kleine immer mehr hervortut kann man es auch lernen: Mesut Özil, das ’s’ in ‘Mesut’ wird scharf ausgesprochen, wie in ‘Messer’, also nicht Meh-zut. Dahingegen wird das ‘z’ in ‘Özil’ ausgesprochen, wie das ’s’ in ‘Mesut’ nicht ausgesprochen werden soll, also wie in ‘Simsalabim’, der Mensch heist also nicht Ötz-il.

Ist schließlich eine schöne, bunte, deutsche Nationalmannschaft und für korrekte Aussprache es ist nie zu spät, nicht wahr, Herr Réthy?

Transfergedöns Teil 2

17. Juni 2009 by gspeppi

Zugänge sind eine feine Sache, nicht weniger interessant dürften aber in dieser Saison auch die möglichen Abgänge sein. Der chronisch klamme Club wird leider immer wieder in der Situation sein, dass er seine Spieler ab einer bestimmten Schmerzgrenze ziehen lassen muss. Wie sehr tränt dabei das trübe Auge bei dem Blick auf die gehandelten Ablösesummen von Bayerns Franck Ribéry, der damals auf Grund fehlender Gehaltszahlungen ablösefrei von Galatasaray zu Olympique Marseille abwanderte. Schon in der vergangenen Saison wurde Fernando Meira mitten in der Spielzeit nach Russland verscherbelt, die folgenden Verletzungen der Verteidiger und die dann fehlenden Alternativen können unter anderem für das schwache Abschneiden in der Liga und das desolate Aus im UEFA-Cup verantwortlich gemacht werden. Interessante Kicker gibt es so einige im Kader, deshalb lohnt auch hier ein genauerer Blick…

Sicher: Morgan De Sanctis wurde nach Ablauf der Leihphase wieder nach Sevilla abgegeben. Ein Verlust für das Team, der Italiener war wohl der unscheinbarste und verlässlichste Keeper Galatasarays der letzten Jahre. Etwas besseres kann man in diesem Zusammenhang kaum wollen, oft genug stockte einem bei Aykut oder Orkun oder “Deli Hayro” Hayrettin bei Rückpässen oder Abschlägen früher der Atem.

Hasan scheint bei Galatasaray keine Zukunft mehr zu haben, will aber laut einiger Meldungen auch nicht wechseln und wird sommit wohl seine Karriere beenden. Einer der wichtigsten Spieler bei Galatasaray in den letzten Jahren, der auch noch einen eigenen Beitrag hier bekommen wird.

Höchst wahrscheinlich: Servet scheint aktuell für eine Ablöse von 8-9 Millionen € nach Marseille gewechselt zu sein. Das ist der herbe Verlust eines großartigen Kämpfers und einer Symbolfigur der letzten zwei Jahre – allerdings versüßt durch einen ordentliches Schmerzensgeld. Servet war vor 2 Jahren für 500.000e von Sivas nach Istanbul gewechselt.
Ümit Karan soll abgegeben werden, nur gibt es – wie seit Jahren schon – kaum Interessenten. Nach der unterirdischen Saison des Angreifers wäre eine Weiterverpflichtung allerdings tatsächlich ein Wunder.

Im Gespräch: An dem defensiven Mittelfeldspieler Mehmet Topal soll der FC Everton interessiert sein, ein recht langlebiges Gerücht. Insbesondere nach der guten Zeit von Tugay in England keine abstruse Vorstellung mehr.

Niemals: Arda Turan ist das Juwel des Vereins, der Podolski, der Totti Istanbuls, einer der schon als Dreikäsehoch als Balljunge hinter dem Tor stand und jubelte. Arda würde zumindest im Moment nur für Unsummen verkauft werden können, ohne dass es zu einer Revolte kommen würde.

Transfergedöns Teil 1

16. Juni 2009 by gspeppi

Ein fast schon unvermeidliches Ritual in der türkischen Süperlig sind die Transfergerüchte zur Saisonpause. Eine breite Palette an Tages- und Fussballzeitungen sowie die „Pflicht“ der Istanbuler Großvereine + Trabzonspor, sich gegenseitig mit Transfers in den Schatten stellen zu müssen, sorgen für ein unglaubliches Durcheinander an Gerüchten. Quasi jeder Spieler, der jemals bei transfermarkt.de gelistet ist, wird einmal durch die Arena getrieben, selbst die unmöglichsten Spieler sind zumindest einen kleinen Artikel wert, auf dass täglich viele Seiten bedruckt werden können.

Wer das ganze Chaos der Meldungen ernst nimmt, ist verloren, denn fast 95% sind absolut frei erfunden, inklusive der meisten Zitate von Spielern und Funktionären. Deshalb an dieser Stelle ein Überblick über den bisherigen Stand der Transferaktivitäten…denn in ist wer drin ist, also machen wir mit, beim Spekulationsroulette!

Zugänge:

Sicher: Mustafa Sarp, ablösefrei von Bursaspor, ein 28-jähriger Mittelfeldspieler, der nachweislich unterschrieben hat.

Möglich: Leo Franco, Keeper von Atletico Madrid, seit Monaten halten sich hartnäckige Meldungen, Verhandlungen haben definitiv stattgefunden, nur offiziell verkündet wird merkwürdigerweise noch nichts.

Unwahrscheinlich aber nicht dumm: Halil Altıntop – im Tausch mit Lincoln, ein höchst sinnvoller Transfer denn Halil wird bei Schalke nicht glücklich, würde seine Einsatzzeiten bekommen und für die Nationalmannschaft interessanter werden, international spielen und vielleicht endlich den Durchbruch schaffen, neben einem Mann wie Baros durchaus vorstellbar. Hingegen müsste Magath – wie seinerzeit bei Wolfsburg mit Marcelinho – Lust auf eine launische Diva haben. Ob den Schalkern die Rückkehr von Lincoln zumutbar ist, muss dabei aber bezweifelt werden. Andrij Woronin war vor einigen Wochen schon einmal ein Thema und würde gut ins Profil passen, allerdings gibt es noch keine Anzeichen des Vereins, dass man das Gespräch gesucht hat.
Lucas Neill, australischer Innenverteidiger von West Ham United ist ein Spieler, den man schon mehrfach haben wollte und der inzwischen ablösefrei zu haben wäre, vielleicht gerade wegen Harry Kewell ein vorstellbarer Transfer.
Zurab Khizanishvili, wieder ein Innenverteidiger aus der Premier League und georgischer Nationalspieler dürfte die namenlosere Variante von Neill sein, deshalb absolut für das schmale Portemonnaie von Gala gemacht.
Eidur Gudjohnsen, auch nicht zum ersten Mal ein Thema bei den rot-gelben und über den ehemaligen Barca-Trainer Rijkaard auch nicht völlig zusammenhangslos in den Raum geworfener möglicher Sturmpartner für Baros.

Ziemlich unmöglich: Hamit Altıntop, schon lange Jahre auf dem Wunschzettel von Galatasaray aber höchst unwahrscheinlich, bei einem Abgang von Ribéry dürfte der Musterprofi eigentlich sogar noch wichtiger für die Bayern werden – und sei es als Allzweckalternative von der Bank.

Bitte nicht…oder? Javier Saviola, in den letzten Jahren recht unmotiviert durch die Primer División verschachertes Sturmtalent.  
Yıldıray Baştürk
, so gut er auch ist, scheint weder sein Körper noch seine Motivation mehr dem Profifußball gewachsen zu sein. Gerade im grauen Ligaalltag im Winter auswärts in Gaziantep würde Yıldıray wohl keine Bäume ausreißen.
Ruud van Nistelrooy, extrem unwahrscheinlich aber dennoch hartnäckiges Gerücht, gealterter, verletzter Superstar, nach ManU und Real jetzt auf Abschiedstournee bei Gala? Nein danke, Katar oder Fenerbahçe bitte.

Science Fiction: Weslej Sneijder, Adrian Mutu, die halbe Ersatzbank von Barcelona

Hier geht es mit Teil 2 und den Abgängen weiter…!

Frank Rijkaard neuer Trainer bei Galatasaray

5. Juni 2009 by gspeppi

Frank Rijkard ist nach mehreren Berichten aus türkischen Medien und auch einer offiziellen Meldung auf der Homepage des Vereins neuer Trainer von Galatasaray. Nicht die bisher als mögliche Nachfolger genannten Kandidaten “aus Spanien” wie Juande Ramos oder Bernd Schuster, sondern der ehemalige Coach von Barcelona scheint somit das “Rennen” gemacht zu haben. Mit welchen Argumenten man den Sieger der Champions League von 2006 überzeugt hat, ist noch unklar, weder finanziell noch sportlich sieht es bei Galatasaray im Moment reizvoll aus. Rijkaard soll heute abend in Istanbul eintreffen und den Vertrag unterschreiben, mit ihm soll Johann Neeskens als Co seinen Dienst bei Galatasaray antreten.

Eine zunächst einmal positiv überraschende Entscheidung. Bei der sportlichen Perspektive mit der Qualifikation zur Europa League, dem stagnierenden Bau des neuen Stadions und der anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten hätte man eher auf eine Alibi-Packung vom Kaliber eines Friedhelm Funkel vermuten können. Wobei eine solche Entscheidung genau die richtige gewesen wäre, Trainer die aus wenig mehr machen, keinen Größenwahn pflegen, loyal sind und nicht nach Verstärkungen in der Größenordnung eines Scheichgeführten Premier League Clubs schreien. Solche Trainer sind aber leider für die Großen 3 aus Istanbul schwer vermittelbar, so dass es eben auch ein “Name” sein musste. Wie gut passt Rijkaard jetzt nach Istanbul? Denkt man an die Niederländer Beenhakker und Hiddink, so waren diese Holländer nicht sonderlich erfolgreich, auch Spieler wie Frank De Boer wurden nicht wirklich glücklich in Istanbul. Dagegen hat man an Pierre van Hooijdonk immer noch gute Erinnerungen.
Ein junger, erfolgshungriger Trainer wie Rijkaard dürfte eigentlich gut zu Galatasaray passen, vor allem nachdem seine letzten 2 Spielzeiten in Barcelona nicht mehr von Erfolg gekrönt waren.

Saisonabschlussbilanz

31. Mai 2009 by gspeppi

Die Saison ist beendet, Zeit für ein wenig Bilanz.

Trainerwechsel
Von den vier „Großen“ hat nur Fenerbahçe seinen Trainer nicht im laufenden Wettbewerb ausgewechselt. Bei Galatasaray kam Urgestein Bülent Korkmaz für Michael Skibbe, Beşiktaş tauschte Mustafa Denizli für Ertuğrul Sağlam aus und 5 Spieltage vor Ablauf der Saison musste Ersun Yanal bei Trabzonspor seinen Stuhl räumen. Während Beşiktaş eine furiose Aufholjagd startete und am Ende mit dem türkischen Pokal und der Meisterschaft das Double holte, kann davon ausgegangen werden, dass Europameister-Trainer Luis Aragones bei Fenerbahçe nur deswegen noch im Amt ist, weil seine Abfindung bei einer vorzeitigen Trennung enorm kostspielig hätte werden können.

Galatasaray und Bülent?
Die Tage von Bülent Korkmaz dürften mit dem Ende des Saison auch gezählt sein, nach der Entlassung von Michael Skibbe konnte kein nennenswerter Sieg mehr errungen werden, alle Derbies wurden verloren, im türkischen Pokal schied man sang- und klanglos gegen Sivasspor aus und im UEFA-Cup setzte es ein peinliches Aus gegen den HSV, nachdem man zu Hause schon mit 2-0 Führung fast sicher in der nächsten Runde war. Einziges Argument pro Korkmaz dürfte sein vergleichsweise niedriges Gehalt sein, was bei dem ewig klammen Verein keine unerhebliche Rolle spielen dürfte. Zwar geistern seit Wochen die Namen renommierter Trainer durch die Presse, (Houllier, Schuster, LeGuen, Adrianse), diese dürften aber wohl sowohl von ihren Gehaltsvorstellungen als auch von Ihren Transferwünschen kaum finanzierbar sein. Demnach sollte man sich nicht wundern, wenn der Verein sich plötzlich deutlich für einen Verbleib des Coaches ausspricht.

Der Kader
Was passiert jetzt mit Galatasaray in der kommenden Saison, nachdem man sich mit Mühe mit Rang 5 auf den letzten Platz für die Qualifikation zur Euroliga gekämpft hat? Einige Baustellen sind unübersehbar. Diva und Mimöschen Lincoln muss dringend den Verein verlassen. So unbestritten seine spielerischen Fähigkeiten auch sind, so sind seine Leistungen zu stimmungsabhängig, als dass man im Verein weiterhin seine Allüren hinnehmen kann. Spätestens mit der Rückrunde war Lincoln eine enorme Belastung für Mannschaft und Zuschauer und erneut wurde deutlich, dass dieser Egomane nur spielen kann, wenn er zu 150% und pausenlos gepudert und umschmeichelt wird.

Während Baros und Kewell der Mannschaft weitergeholfen haben, ist die Situation von Tobias Linderoth noch ungewiss. Der Schwede hat seit 2 Jahren keine Hand voll Spiele bestreiten können und leidet weiterhin an mysteriösen Verletzungen. Shabani Nonda, hinter Baros Stürmer Nr. 2 hat eine enttäuschende Saison hinter sich und dürfte auch auf der Liste derjenigen stehen, die bei entsprechender Gelegenheit abgegeben wird.

Vakant ist weiterhin die Position der Nr. 1 im Tor, nachdem Morgan De Sanctis nach Ablauf des Leihgeschäfts zurück nach Spanien zum FC Sevilla geht. Weder Orkun noch Aykut sind Torwärte von Format und scheinen auch keine Talente zu sein, die langfristig die Sehnsucht nach Größen wie Simoviç, Taffarel oder Mondragon stillen können. In der Abwehr fehlen mit Emre Güngör, Servet und Uğur Uçar drei Langzeitverletzte, mindestens ein erfahrener Innenverteidiger wird nach dem Abgang von Fernando Meira noch dringend benötigt.

Das Mittelfeld sieht bei Galatasaray noch am schönsten aus, wenn man davon ausgeht, dass kein Spieler an die Verteidigung ausgeliehen werden muss. Mehmet Topal, Ayhan und Barış auf den defensiven Positionen, Arda und Kewell offensiv klingen nicht schlecht, allerdings fehlt es dahinter an Qualität. Bei Mehmet Güven wartet man weiterhin auf den Durchbruch, Aydın kam in der Rückrunde kaum noch zum Einsatz. Einzige Hoffnung dürfte ein Verkauf von Lincoln und damit einhergehende Neuverpflichtungen sein.

Ausblick
Alles in allem ist die Personaldecke bei Galatasaray extrem dünn, das Portemonnaie fadenscheinig und der Druck enorm. Der Bau des neuen Stadions gerät wegen finanzieller Probleme immer wieder ins Stocken und man kann fast davon ausgehen, dass sich der Verein bis zum Abschluss der Bauarbeiten durch die kommenden Spielzeiten mogeln wird, um mit den dann neuen Einnahmequellen vielleicht einen Neuanfang zu beginnen. Bis dahin ist sportlicher Erfolg wohl nur durch mannschaftliche Höchstleitungen zu erwarten. Wenn es dagegen rumpelig läuft, kommen gerade einmal Saisons wie diese dabei herum.

Wo ist unser Niveau bloß hin?

18. April 2009 by gspeppi

Am Donnerstag wurden die Sperren für das „Skandalspiel“ des letzten Wochenendes zwischen Galatasaray und Fenerbahçe bekannt gegeben. In den letzten Minuten der Begegnung kam es vor der Ausführung eines Freistoßes im Strafraum von Galatasaray zu Rangeleien, die zu einigen Ohrfeigen und blutigen Nasen führten. Die Situation schien außer Kontrolle zu geraten, als aufgebrachte Fans von Galatasaray auf das Tribünendach kletterten und dieses sich unter dem Gewicht bedenklich bog und auf die unteren Zuschauer zu brechen drohte. Der Schiedsrichter der Partie zeigte 4 Spielern die rote Karte und pfiff die Begegnung, die mit 0:0 endete, ab.

Galatasaray wurde zu einer Geldstrafe und zu einer Platzsperre verurteilt, darüber hinaus zu einem weiteren Spiel ohne Zuschauer. Arda und Semih, die sich gegenseitig ohrfeigten bekamen eine Sperre von je 3 Spielen, Lugano von Fenerbahçe, mit seinem Kopfstoß gegen Emre Aşık Auslöser der Tumulte, muss 5 Spiele pausieren. Emre Aşık bekam eine Sperre von 2 Spielen, vermutlich dafür, dass er sich kopfstoßen und die Nase blutig hauen ließ. Die im Spiel nicht mit der roten Karte bedachten Sabri und Volkan bekamen auch Sperren, Sabri 2 Spiele für unsportliches Verhalten im Spiel und Volkan 3 Spiele dafür, dass er sich während der Schubsereien auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes an die Zuschauer von Galatasaray wandte und sich provokativ im Genitalbereich herumfingerte.

So weit die Fakten. Wie so häufig zwischen gerade diesen zwei Mannschaften in den letzten Jahrzehnten, ist es also auch dieses Mal zu unschönen Szenen gekommen, nichts was man nicht gewohnt sein sollte.

Dennoch ist da der bemerkenswerte Niveauverlust der Fans von Galatasaray zu beanstanden.
Galatasaray ist von den Istanbuler Großclubs derjenige, der immer einen Hauch von verarmter Aristokratie, von Elite, von Niveau, von pleite aber würdevoll versprühte.
Während Fenerbahçe meist wirkt wie der neureiche Lottogewinner auf einer Cocktailparty, mit den Taschen voller Geld, einer Hühnerkeule in der linken und einem Hummer in der rechten Tasche auf der verzweifelten Suche nach Anerkennung, und vom Verhalten zwischen Größenwahn und Straßenköter schwankend, ist Beşiktaş der an wenigsten glamouröse, aber bodenständigste Verein, deren Fans meist als „Fernfahrer“ gelten, verschwitzt, unrasiert, cholerisch, manchmal mit einer Tendenz zum Mafiösen aber dennoch unprätentiös und unaffektiert.
Es ist also nicht unbedingt verwunderlich, wenn Volkan sich am Gemächt herumfingert, Emre Belözoğlu wiederholt mit „ich-stech-dich-ab“-Parolen seine Gegner bedroht, Semih nach der Ohrfeige von Arda peinlich wie ein nasser Sack auf dem Rasen herumrollt, nur um später Respekt von dem Jüngeren einzufordern, Lugano in knapp 3 Saisons bisher 26 gelbe und 5 rote Karten ansammelt und der recht halbseidene Baulöwe und Präsident des Vereins vor der Begegnung seine Spieler dazu anhält, die Zuschauer im Ali Sami Yen Stadion aufzuwiegeln.

Bedenklich ist es allerdings, wenn diese Tribünen sich dem Niveau des Gegners anpassen. Fans in rot und gelb, die dem Eigengewächs und jetzigen Fenerbahçespieler Emre Belözoğlu die Pest wünschen und seine Familie von der Urgroßmutter bis zum Wellensittich in unaussprechlicher Weise derbe beleidigen, möchte man nicht bei Galatasaray sehen. Vor dem Spiel wurden US-Dollarblüten mit dem Konterfei Emres gedruckt, eine Anspielung darauf, dass dieser sich vor einigen Jahren weigerte den Vertrag zu verlängern, um ein entsprechendes Handgeld bei seinem Wechsel nach Italien einstreichen zu können. Gelungener, niveauvoller Protest, wie er sein sollte. Wer den Wettbewerb „beleidigst-Du-mich-dann-beleidige-ich-dich-im-Rückspiel-noch-doller“ initiiert hat ist egal. Man hat aber immer noch die Möglichkeit, zu entscheiden, ob man auf diesem Level mitspielen möchte oder nicht. Fenerbahçe hat es seit Jahrzehnten weder von den Erfolgen noch vom Renommé geschafft, zu Galatasaray aufzuschließen. Anstatt auf die permanenten Sticheleien aber nach Kahn’scher Manier mit einem „Was stört es den türkischen Olivenbaum, wenn sich der Hammel daran reibt“ zu reagieren, hat man sich auf die selbe prollige Ebene hinabziehen lassen.

Und das ist definitiv die schlimmste Niederlage, die man bei einem 0:0 erleiden kann.

Legenden – Cevad Prekazi

9. April 2009 by gspeppi

In den neunziger Jahren war die Türkei im Fußball auf internationaler Ebene nicht beeindruckender, als heute Estland oder Island. In der Qualifikation zur WM 86 in Mexiko holte man sich gegen England mit 0:5 und 0:8 zwei Klatschen auf San-Marino-Niveau ab und belegte in der Gruppe hinter England, Nordirland, Rumänien und Finnland den letzten Platz mit exakt einem ganzen Punkt auf der Haben-Seite.

Gut 20 Jahre später ist die Nationalmannschaft der Türkei eine auf der Welt zumindest so weit etablierte Truppe, dass sich keine gegnerische Mannschaft mehr auf diese Begegnungen freuen dürfte. Symptomatisch für diesen Wandel dürfte auch die Entwicklung von Galatasaray in den neunziger Jahren gesehen werden. Empfand man vorher stets ein dumpfes Unterlegenheitsgefühl gegenüber der Krone der Zivilisation aus Europas Westen, so begann unter anderem mit der Arbeit von Jupp Derwall in Istanbul ein Prozess der Emanzipation. Spielerisch und technisch waren die Kicker aus der Türkei meist eh beschlagen, es musste nur aus den Köpfen raus, dass man sich gegen Europäer nicht zwangsweise in vorauseilender Ehrfurcht devot auf den Rücken legen und unterwürfig den Bauch präsentieren muss, die vielgepriesene türkische Gastfreundschaft hin oder her.

Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins war die Saison 88/89 im Europapokal der Landesmeister unter dem Nachfolger Derwalls, Mustafa Denizli. Galatasaray schaffte es bis in das Halbfinale und erzielte auf dem Weg dorthin einige interessante Ergebnisse. Rapid Wien wurde ausgeschaltet, Xamax Neuchâtel bekam gleich eine 5:0 Klatsche, nachdem man im Hinspiel noch 0:3 unterlegen war. Im Viertelfinale wartete dann mit dem AS Monaco ein ganz großer Name.

Im Kader stand damals ein blutjunger Bülent Korkmaz, der 630 Spiele für Galatasaray später heute Trainer genau dieses Vereins ist sowie Tugay Kerimoğlu, heute mit 39 Jahren immer noch in der Premier League bei den Blackburn Rovers tätig. Spieler wie Uğur Tütüneker oder Erhan Önal kamen über Bayern München zu Gala und bildeten mit Tanju Çolak, mit 39 Toren Gewinner des Goldenen Schuhs in Europa und den damals nur erlaubten 3 ausländischen Kickern eine legendäre Truppe.

Galatasaray Neuchatel

Cevad Prekazi ist immer noch eine der herausragendsten Persönlichkeiten, die jemals in die Türkei gewechselt ist. Der albanischstämmige Mittelfeldspieler wechselte von Hajduk Split zu Galatasaray und bestritt in 6 Saisons 169 Spiele für die Löwen. Legendär wurde Prekazi – um den Bogen zur Begegnung gegen Monaco zu spannen – im Viertelfinalrückspiel des Europapokals der Landesmeister.

Cevad Prekazi

Das Hinspiel hatte Galatasaray schon für die  Fachwelt völlig überraschend mit 1:0 in Frankreich für sich entscheiden können. Da man sich eine Spielsperre für das heimische Stadion eingehandelt hatte, musste Galatasaray das Rückspiel auf neutralem Platz austragen und entschied sich für…das Kölner Müngersdorfer Stadion. In der Folge platze der völlig ausverkaufte Laden mit schätzungsweise 4 Milliarden Türken aus allen Nähten, während in einer Ecke des Stadions ganze 800 Monegassen wie ein Grüppchen Schafe vor der Schur vor sich hinzitterten.

In einer Zeit, in der türkischer Fußball eigentlich eher ein selbsterklärender Witz war, wie Dnjepr Dnjepropetrowsk oder Barfuss Jerusalem, spielte Galatasaray gegen AS Monaco ein Viertelfinale im Europapokal. Trainer der Monegassen war ein gewisser Arséne Wenger und im Kader standen Spieler wie Battiston, Amoros, Hoddle oder Weah. In einer Zeit, in der türkischer Fußball eigentlich eher ein Witz war, brodelte dieses Stadion voller Türken und demonstrierte ein bisher nicht gekanntes Selbstbewusstsein. In der 51. Minute bekam Galatasaray beim Stande von 0:0 einen Freistoß aus annähernd 40 Metern Entfernung zugesprochen. Cevad Prekazi, mit gerade einmal 160 cm Leibesgröße und schmächtigen 60kg Gewicht legte sich  – in einer Zeit, in der also türkischer Fußball eigentlich eher ein Witz war – den Ball zurecht. Der Rest ist Geschichte.

Monaco schaffte nur noch den 1:1 Ausgleich durch Weah und schied aus, Galatasaray unterlag später im Halbfinale Steaua Bukarest. Dennoch liegt in diesen Auftritten von Galatasaray und dem Tor von Prekazi die Wurzel für das neue Selbstbewusstsein im türkischen Fußball. Insbesondere für die seit Jahren im deutschen “Exil” lebenden Türken, hat der aus 40 Metern mit unglaublicher Chuzpe ins Eck gezimmerte Freistoß wohl eine ganz besondere und eigene Bedeutung gewonnen.

Cevad Prekazi ließ seine Karriere bei einigen kleineren Vereinen in der Türkei ausklingen und wurde bei Spielen im Ali Sami Yen Stadion von den Fans seines ehemaligen Teams so frenetisch gefeiert, dass er wie ein Schlosshund geweint haben soll.

Warum gut, wenn es auch peinlich geht?

20. März 2009 by gspeppi

Man kann eigentlich nur hoffen, dass Lucas Vogelsang im 11FREUNDE Live-Ticker kein Geld für das bekommt, was er da tut. Natürlich brauchen auch Praktikanten eine Spielwiese, an der sie sich austoben dürfen und ein bisschen mit dem Wortspielbaukasten, dem Phrasendreschautomaten und dem einen Semester Deutsche Philologie hantieren sollen. Dennoch ist das, was da gestern auf der Seite der 11Freunde zu lesen war, ein gutes Beispiel für muffige, alte, hingeflegelte, deutsche Sportjournaille.

Nehmen wir es einfach hin, dass es der deutsche “Sportjournalist” nicht schafft, das Mysterium türkischer Spielernamen zu entschlüsseln, akzeptieren wir es, dass jeweils Vor- und Nachnamen wild durcheinander geworfen werden, je nachdem, was man vorher irgndwo im Internet abgepaust hat. Die Aufstellung sieht dann folgendermaßen aus:

Galatasaray Istanbul: de Sanctis (Italiener, Nachname) – Sabri Sarioglu (Türke, Vor-und Nachname), Kaya (Türke, Nachname, hat gar nicht mitgespielt), Hakan Balta (Türke, Vor- und Nachname), Volkan Yaman (Türke, Vor- und Nachname) – Kewell (Australier, Nachname) , Baris Özbek (Türke, Vor- und Nachname), Güven (Türke, Nachname, hat auch nicht mitgespielt), Lincoln (Brasilianer, kennt man, das ist einfach), Ayhan Akman  (Türke, Vor- und Nachname) – Baros (Tscheche, kennt man auch).

Wer allerdings der später im Text erwähnte “ehemalige Weltstar und Weitschussakrobat Hami Manderani” ist, weiß ich nicht, da hat Herr Vogelsang wohl noch nicht einmal googlen wollen, sondern hat seinen türkischen Gemüsemann gefragt. Warum auch nicht? Auch der eingangs enthusiastisch beschriebene Fernando Meira spielt nicht mehr bei Galatasaray, was aber auch nur wichtig ist, wenn man nicht so lustige, orthographisch bedenkenswerte Live-Ticker schreiben kann.

Dann geht es ihm um Moderatorin Müller-Hohenstein im Gespräch mit Kalli Feldkamp: “Sie ist selbst krampfhaft damit beschäftigt, sich nicht in Sterotypen zu verrennen. Ihr Gesicht ist verkrampft. Political Correctness kann  so weh tun.”

Was meint Herr Vogelsang denn hier? Wo hätte er – ganz investigativer “Sportjournalist” – denn knallhart angesetzt und sich nicht von der vermaledeiten politischen Korrektheit leiten lassen? Kurdenproblem? Genozide? Gammelfleisch? Ach das ist Satire? Ah.

Pure Satire ist dann womöglich auch der verzweifelte Versuche, einen Bezug zu Vogelsangs vermutlich persönlichem Weltbild herzustellen.
Reporter “Wark verfasst ein Referendum zum Thema Integration” und hört sich an wie “ein Multikultiprospekt der VHS-Neukölln”, hat sich “aus Angst vor den türkischen Fans längst ein Galatasaray-Trikot übergezogen und [...] stellt nebenbei einen Visa-Antrag beim türkischen Konsulat” und “kauft sich bei ebay einen feschen Fes und die Biographie von Mustafa Kemal Atatürk”.

Ähm ja. Das ist echt sehr platt. Fehlt noch der Dönerwitz irgendwo und…ja, genau: “Die Türken belagern das Tor der Hamburger wie anno 1529 Wien”

Halten wir fest: Die 11Freunde gebärden sich als “Magazin für Fussball-Kultur” und bieten dennoch hier die gleiche Wurstigkeit in anderer Pelle. Keinerlei Ahnung, aber politische Anspielungen machen wollen. Wenn man flapsig daherkommt, wirkt das sicherlich so erfrischend anders, wie im SZ-Magazin vielleicht? Nicht? Och…

Man könnte auch einfach jemanden fragen, wie das mit den Namen der Türken ist oder warum es manchmal so ungewohnte Rückennummern gibt. Das nennt man auch “Recherche”. Ist aber nur was für jemanden, der seine Arbeit ernst nimmt.

Ist das alles eigentlich wirklich wichtig? Vermutlich nicht. Außer man hätte nur einen Funken Respekt vor seinem Beruf und vielleicht vor einer 2.5 Millionen Menschen umfassenden Gruppe im eigenen Land. Integration geht für manche Menschen vielleicht überraschend auch in beide Richtungen.

Bitteres Aus gegen Hamburg

20. März 2009 by gspeppi

Hat man diesen Film nicht schon einmal gesehen? Galatasaray spielt mit grotesker Aufstellung und schießt dennoch einen Zwei-Tore-Vorsprung heraus, nur um dann in kürzester Zeit alles wieder zu verspielen. Zum Glück kommt in der letzten Minute des Spiels Sabri, der Ritter von kurzer Gestalt angaloppiert, und brezelt den Ball ins Tor. Jubel. Abspann. Autokorso.

Leider hat der Autor dieses Blogs wohl eine gekürzte Fassung erwischt, denn bis auf die Schlussszene lief das Rückspiel im UEFA-Cup gegen den Hamburger SV fast genau so wie vor einigen Wochen gegen Bordeaux.

Der 19jährige Serkan in seinem zweiten Pflichtspiel und ersten Europapokalspiel als rechter Verteidiger, Sabri auf der rechten Flanke anstelle von Kewell, dieser wiederum als Innenverteidiger neben Hakan Balta, dem nominellen Außenverteidiger. Fast 60 Minuten schaffte es Galatasaray, den Gegner von diesem fragilen Gebilde fernzuhalten. 5 Minuten der Orientierungslosigkeit später waren 180 Minuten harter Arbeit für die Katz. Kein Glückstreffer in letzter Minute, nur harte Realität.

Wer unter solch schwierigen Bedingungen wie Galatasaray in dieser Saison eine durchwegs so aufopferungsvolle Leistung bietet, hat allen Lob verdient, so haarsträubend die Partie auch gewesen sein mag. Dennoch ist es zutiefst deprimierend, wenn man sich Aufwand und Ertrag vor Augen hält. Arda, der sich fitspritzen lässt, nach ein paar Minuten Boatengs Finger im Auge hat und fortan aus einem glubschigen, tränenden Auge linsen muss, 90 Minuten ackert und Baros diesen herrlichen Treffer auflegt. Baros, der wie immer alleine vorne für permanenten Terror sorgt, 90 Minuten ackert und einen Elfmeter herausholt und dieses wunderschöne Tor gegen Frank Rost erzielt, Ayhan, Barış , Serkan, Hakan die alle 90 Minuten ackern und ackern…

Ein bitteres Ausscheiden gegen sehr biedere Hamburger. Eigentlich wäre man gerne wütend und würde jemandem die Schuld zuschieben, aber wem? Den Hamburgern, die 3 Tore geschossen haben? Coach Bülent, der sich nicht selbst in die Abwehr eingewechselt hat? Der türkischen Milch, die zuwenig Kalzium zu haben scheint und dafür sorgt, dass die Knochen der Kompanie an Verletzten nicht heilen? Selbst die Vorwürfe gegen den Schiedsrichter, der im Hinspiel den letzten verbliebenen Verteidiger von Galatasaray mit einer fragwürdigen roten Karte eliminierte klingen müde und apathisch.

Bleibt zu hoffen, dass man eine solch bittere Niederlage nimmt, um zu lernen und stärker zu werden. Jetzt gilt es, in der Liga für ein gutes Finale zu sorgen,  bevor man kommende Saison überhaupt nicht international spielt.

2 Dinge bleiben dabei aber dabei auch langfristig noch offen. Zum einen die erneut schlechte Leistung von Lincoln, begleitet von einem indiskutablen Abgang. Man muss sich die Frage stellen, wie man mit solch einer Situation umgeht. Mimose Lincoln pudern und wickeln, damit er nicht schmollt, nie auswechseln auch wenn er aufreizend schlecht spielt, weil es ja sein könnte, dass er sich zu einem Geniestreich bequemt oder konsequent durchgreifen, wenn dieser schon in den ersten Spielen des neuen Coachs mit abfälligen Gesten die Autorität des Trainers zu untergraben droht. Ein Gewinner der Championsleague wie Kewell, der uneitel ein höchstprofessionelles Verhalten an den Tag legt, ein großer Name wie Baros, der läuft und trifft und arbeitet wie ein Pferd, das sind Stars. Lincoln hat nur die Allüren, von denen er denkt, dass ein Star sie haben muss.

Zum anderen ist es eine Atmosphäre der Missgunst, die nachdenklich stimmt. Der Komplex der anderen Istanbuler Großvereine gegenüber Galatasaray scheint enorm groß gewesen zu sein, denn Spott und Häme nach der Niederlage stehen in keinem Verhältnis zu annähernd normaler Rivalität.
Türkische Vereine sind international nicht so erfolgreich, als dass man es sich leisten könnte, solch gute Gelegenheiten sausen zu lassen, egal welcher Club die Chance hat.
Wie hat Arda so treffend gesagt: “Hätte uns doch jeder unterstützt. Die Fans von Fenerbahçe, Beşiktaş…Weil das Finale im Stadion von Fenerbahçe ausgetragen worden wäre, ist so einigen ein Stein vom Herzen gefallen. Es war wirklich nicht nötig, so viele Ressentiments zu schüren. Für uns war nur der Erfolg für die Türkei wichtig.”

Was der letzte Satz im Umkehrschluss bedeutet, kann sich nun jeder selbst beantworten.

Galatasaray gegen Hamburg – Nachrichtensplitter vor dem Rückspiel

17. März 2009 by gspeppi

Abwehrbrocken Servet Çetin hat 17 Tage nach seiner Fußoperation die Krücken in die Ecke geschmissen. Demnach steht seinem Einsatz am Donnerstag eigentlich nichts entgegen. Rehabilitation und Aufbautraining ist was für Pussies, nicht für „Chuck“ Çetin. Gebt dem Mann sein Trikot.

Lincoln hat nach seinem Gemoser in Richtung Trainerbank bei der Auswechslung gegen den Hamburger SV versucht, das drohende Unwetter aufzuhalten. In diversen Interviews betonte er seine Liebe zu den Fans, zum Verein und seinen Wunsch, den UEFA-Pokal im Fenerbahçe-Stadion zu gewinnen. Aus PR-Sicht genau die richtige Sorte von Kreide, die es in der Türkei zu fressen gilt, wenn die Luft dünner wird.
Funktioniert meist, aber nicht immer. Lincoln saß beim wichtigen Spiel gegen Trabzonspor ausgestellt wie ein Zirkusäffchen 90 Minuten auf der Bank.

Dagegen arbeitet Harry Kewell weiter an seinem eigenen Denkmal. Zum einen ist der australische Sunnyboy eine verdammt coole und smarte Sau und alleine schon deswegen Darling der Kameras. Darüber hinaus ist er ein intelligenter Spieler, der weiß wo er zu stehen und wie er zu spielen hat, schuss- und kopfballstark und mit sehr guter Übersicht. Ein absolutes Fußballvorbild für das Junggemüse bei Galatasaray und ein fantastischer Transfer. Zuletzt demonstrierte der Australier seine Professionalität, indem er sich nach der roten Karte des Innenverteidigers Emre spontan auf dessen Position stellte und uneitel einen guten Job gegen angaloppierende Hamburger machte. Wäre nur nicht die ständige Frage nach seinem gesundheitlichen Zustand, denn Fakt ist, dass ein Spieler solchen Formats unter normalen Umständen nicht in die Türkei wechseln würde. Die Carlos’, Anelkas, Hagis oder Schumachers sind fast immer entweder alt, verrückt, gebrechlich oder Auslaufmodelle gewesen. Auch bei Harry „Potter“ Kewell wurden häufig Gerüchte über eine chronische Krankheit laut. Gegen Trabzonspor fehlte der Australier wieder, soll aber gegen Hamburg vielleicht erneut in der Innenverteidigung auflaufen.

Im Spiel im Trabzon spielte Galatasaray nur 2:2, nachdem man erst zurücklag und dann 2:1 führte. Auffällig die wirklich nicht sattelfeste Abwehrreihe, denn durch den Ausfall nahezu aller Innenverteidiger muss inzwischen auch Hakan Balta in die Mitte rücken, so dass beide Außen mit Sabri und Volkan unzureichend besetzt sind. Beide Tore resultierten unter anderem aus schwacher Abwehrleistung. Gegen Hamburg wird es nach der zweifelhaften roten Karte gegen Emre keinen echten Verteidiger mehr auf dem Platz geben, vielleicht vergleichbar mit dem HSV, der nur Jansen als Innenverteidiger zu bieten hätte, ansonsten Trochowski auf außen.

Zumindest rückt Baros wieder ins Team und dürfte den Hamburgern mehr Probleme bereiten als zuletzt Nonda. Trotz der Verletzung von Arda Turan  dürfte dieser gegen Hamburg wieder auf dem Platz stehen und auch wieder eine der wichtigsten Rollen im Spiel übernehmen. Gegen Trabzon bereitete Arda den Treffer von Baros mit einem wundervollen Pass vor und erzielte das 2:1 gleich selber.

Gegen den HSV sieht es jetzt im Rückspiel plötzlich nicht mehr so schlecht aus, wie vor dem Hinspiel, denn der Ausfall von Baros schwächte den gesamten Angriff, wohingegen der Ausfall von Emre jetzt die Abwehr kaum noch mehr ausdünnt als sonst. Sicher ist aber nur, dass es ein spannendes Spiel werden wird. Schafft es Hamburg Galatasaray unter Druck zu setzen, wird die türkische Defensive nicht schwer zu überwinden sein. Sollte es der HSV allerdings nicht schaffen, sich freizuspielen, kann es auch derbe Nackenschläge geben. Schlüsselspieler dürften Keeper Morgan DeSanctis und Arda sein, auf der anderen Seite Olic. Anstoß ist am Donnerstag um 20.30 Uhr deutscher Zeit.